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Schmalz, Schläge und Schlemmereien - 600 Jahre Marktrecht Altstätten. Wie uninteressant!

Denkste! In Altstätten ging in den über 600 Jahren die Post ab, brannte der Gaul durch – das eine oder andere Mal brannte sogar das Städtli ab – und das Leben und der Wohlstand der Menschen hingen oft an einem seidenen Faden.

Dieser seidene Faden war der Markt unser Lebenselixier, die Altstätter DNA!

Das Marktrecht gab einer Stadt das Recht, Handel zu betreiben. Nur wer das Marktrecht hatte, durfte kaufen und verkaufen. Alle anderen Höfe rundherum – Marbach, Balgach oder Berneck – gingen leer aus. Das Marktrecht war also ein ziemlicher Trumpf für Altstätten. Dieses Recht haben wir uns immer wieder verdienen müssen mit geschickten Aktionen, dem direkten Draht zum Kaiser oder zu den «acht alten Orten». Das Privileg wurde von den umliegenden Höfen natürlich bekämpft – wer hätte nicht gerne mehrmals im Jahr ein paar hundert Übernachtungen und bis zu 1000 Tiere auf dem Viehmarkt. Da rollte der Gulden und später der Franken. Wie alles begann und was so alles los war um 1425 Ende des 13. Jahrhunderts wurde Altstätten zur Stadt erhoben. Vermutlich haben wir damit auch das Recht erhalten, Märkte durchzuführen.

Die Zeit um die Appenzeller Kriege (ab 1401) war dann von Unsicherheit, Krankheiten und viel Not geprägt. Dass uns die Habsburger 1410 die Stadt abfackelten, half auch nicht grad, die Stimmung zu heben. Die Stadtfinanzen und die Versorgung der Bevölkerung lagen am Boden. Der Markt und Zölle fürs Passieren unserer Strassen waren als Einnahmequellen darum wichtiger denn je. Zu jener Zeit hielt sich der deutsche Kaiser in Feldkirch auf – Gelegenheit also, ihn um eine Bestätigung des Marktrechtes zu bitten. Und tatsächlich: 1425 bekamen wir diese Bestätigung und somit konnten wir diese lebensnotwendige Einnahmequelle offiziell absichern. Das feiern wir dieses Jahr zum 600sten Mal. Unsere Grossen Bestätigt hat er uns den Wochenmarkt am Donnerstag – damals schon!!! – und die zwei Jahrmärkte im Mai und um den Klaustag herum. Maiamaart und Chläusler! Bemerkenswert: Die zwei Jahrmärkte dauerten jeweils drei Tage! Es gab auch Betrug, Mord und Todschlag Wo Menschen tagelang zu Musik tanzten und Handel betrieben, flogen auch die Fetzen – vor allem mit den Appenzellern – und es wurde nicht immer mit gleichen Ellen gemessen. Offizielle Masse wie die Feldkircher Elle oder das Altstätter Mass wurden eingeführt und es musste kontrolliert und überwacht werden. Schmalz spielte dabei eine zentrale Rolle. Hamsterkäufe und Monopolstellungen wurden gerade bei diesem Produkt stark überwacht. Warum?

Podcast mit Historiker

Die Antwort kennt unser Marktexperte und Marktfan Meinrad Gschwend. Was plante Oberriet einst, um Altstätten ins Abseits zu stellen? Wie gingen die Höfe Marpa, Balga und Berneck vor, um vom grossen Kuchen etwas abzubekommen? Wenn ihr mehr wissen wollt, hört beim Podcast rein. Meinrad Gschwend erzählt, warum wir mal 900 Appenzeller im Städtli hatten und wieso die nicht abziehen wollten, bevor die Sache mit einem Mord nicht geklärt war.

Hör rein oder lese das ganze Interview.

Meinrad Gschwend – Zuerst Teller gewaschen und dann den Lohn an der Kilbi verklepft.